Mitgliederversammlungen
Veranstaltungen und Reisen der Vereinigung ehemaliger Mitglieder des Sächsischen Landtages e.V.

 Jahresreise der Vereinigung vom 17.05. – 19.05.2014

Potsdam/Landtag von Brandenburg

Wenden und Sorben besiedelten also einst das Land um Potsdam, südwestlich von Berlin am Mittellauf der Havel in einer eiszeitlich geprägten Wald- und Seenlandschaft, die auch als Endmoränen-Landschaft bezeichnet werden kann.

 Jahresreise der Vereinigung vom 11.06. – 13.06.2016

Magdeburg/Landtag von Sachsen-Anhalt

Vor dem Landtag zu Sachsen-Anhalt in Magdeburg, vorne 2. von links, LTP Hardy Peter Güssau, hintere Reihe, 2. von rechts, der Vorsitzender der Schwerstervereinigung aus Sachsen-Anhalt, Ulrich Seidel


Eisleben, erstmals 1069 urkundlich erwähnt, gehört dem Bund der Lutherstädte an und ist mit Wittenberg in der Stiftung der Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt vereint. Martin Luther wurde als erster Sohn des Bergmanns Hans am 10. Nov. 1483 in Eisleben geboren. So führte der erste Weg auch in die St. Petri-Pauli Kirche, in der Martin Luther, einen Tag nach seiner Geburt, getauft wurde. Die St. Petri-Pauli Kirche, in den Jahren 2011-2012 grundlegend saniert und zu einem „Zentrum Taufe“ gestaltet, bot ein Bild, das lange in Erinnerung bleiben wird, ob ihrer freundlichen, hellen und schlichten Erscheinung, ganz im Sinne der Reformation. Vor 500 Jahren, 1517 hatte Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen.

Ein Gang über dem Markt von Eisleben zur Andreaskirche, in der Luther gepredigt und von dort auch zur letzten Ruhestätte gebracht, führte uns am Elternhaus und am Sterbehaus, in dem Luther am  18. Februar 1546 verstarb, vorbei, letztendlich zu Luthers Geburtshaus, in dessen Nähe ein Besucher- und Ausstellungszentrum entstanden ist.  Hier erhielten wir nochmals einen Überblick zu Eisleben und zum Mansfelder Land, das auch einmal zur Sächsischen Krone gehörte.  Der Blick in die Gegenwart blieb nicht aus, neben vielen positiven Entwicklungen, bleibt dennoch einiges zu tun, z.B. hier die Arbeitsmöglichkeiten zu verbessern. Optimismus ist durchaus angebracht. Danach ging es weiter nach Magdeburg, der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt.

Magdeburg, die altehrwürdige und einst mächtige Metropole an der Elbe hatte im 2. Weltkrieg mächtig gelitten und war weitgehend zerstört. Die Zerstörung durch die Alliierten galt insbesondere der in Magdeburg ansässigen Schwerindustrie, aber auch weite Teile des historischen Altstadtkerns waren betroffen. Beeindruckt waren wir von der Aufbauleistung, insbesondere der nach der friedlichen Revolution und diese setzt sich fort. Investiert wurde nicht nur in die historische Altstadt, mit dem Dom, dem Kloster Unser Lieben Frauen, Magdalenenkapelle, Petrikirche und Wallonerkirche, sondern auch in die Wohnsubstanz, in die Forschung und Entwicklung, die TU Otto von Guericke, den Sport und in die Industrie, die sich langsam wieder erholt. Magdeburg ist eine moderne Stadt mit historischem Flair und dem Glanz von Reichtum und Mächtigkeit.

Nach dem Einchecken im „Maritim“, ging es auch gleich zum Nachtwächterspaziergang durch die Altstadt. Der Nachtwächter war allerdings eine Nachtwächterin. Unsere Geschichtskenntnisse wurden aufpoliert, die Lücken wieder gefüllt.

Magdeburg erstmals urkundlich erwähnt 805 und heute als Otto-Stadt bezeichnet. Zunächst durch Otto I. begründet. Otto I. der Große (geb. 912; gest. 973 ) aus dem Geschlecht der Liudolfinger war ab 936 Herzog von Sachsen und König des Ostfrankenreiches, ab 951 König von Italien  Nach dem Sieg des ostfränkischen Herrschers Otto I. über Ungarn, trug Papst Johannes XII. Otto I. die Kaiser Krone an. Am 2. Februar 962  wurde Otto I. zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches in Rom gekrönt. Das Frankenreich war endgültig geteilt. Im Jahr 968 gründete er ein Erzbistum in Magdeburg, jener Stadt, die wie keine zweite mit seinem Nachleben verbunden ist. Das Erzbistum war für Otto die entscheidende Voraussetzung für die Christianisierung der Slawen, die er 955 besiegt hatte. Was ihm auch den Nimbus eines Retters der Christenheit eintrug. Magdeburg wurde zu einer der mächtigsten Kaiserpfalzen der Ottonen. Der Magdeburger Dom wurde ab 1207 als Kathedrale des Erzbistums Magdeburg gebaut und im Jahr 1363 geweiht, an der Stelle, an der einst, das St. Mauritius-Kloster stand. Magdeburg ist eines der Zentren der Reformation. Es wurde im 30 jährigen Krieg vollständig zerstört. Danach wurde Magdeburg wieder aufgebaut als Festungsstadt und später als eines der industriellen Zentren Deutschlands. Teil der bedeutenden Achse: Berlin - Magdeburg - Braunschweig - Hannover - Ruhrgebiet. Der Mittellandkanal wurde dafür als wichtige Wasserstraße errichtet, um Steinkohle in die Industriezentren und Industriegüter in den Wirtschaftskreislauf zu transportieren.

Am 12.06. waren wir den ganzen Tag unterwegs. Zunächst die große Stadtrundfahrt, mit vielen Halts, danach das Wasserstraßenkreuz Magdeburg. Im Rahmen des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit Nr. 17  errichtet, ist es das einzige Verkehrsprojekt Deutsche Einheit, das sich auf Wasserstraßen bezieht. Es ist als leistungsfähige europäischen Wasserstraße ausgebaut - die Wasserstraßen-verbindung Hannover - Magdeburg - Berlin. Dazu gehören die Bauwerke:

Sparschleuse Rothensee

Schiffshebewerk Rothensee (vorhanden)

Kanalbrücke über die Elbe

Doppelsparschleuse Hohenwarthe

Schleuse Niegripp (vorhanden)

verbindende Kanalstrecken.

Quelle: Jörg Schönebaum

Am späten Nachmittag lag dann noch die GRÜNE ZITADELLE VON MAGDEBURG, unübersehbar am Breiten Weg, errichtet nach Entwürfen von Friedensreich Hundertwasser, vor uns. Im Kontrast zum Landtag von Sachsen-Anhalt stehend, passte dieses imposante, alternative Bauwerk ins Ensemble, ist es doch als  "Oase für Menschlichkeit und für die Natur in einem Meer von rationellen Häusern" gedacht und das Gebäude wirkt auch so.

Am Abend schloss sich dann Im Hotel, im Saal Bonn, ein Treffen mit unserer Schwestervereinigung an. Diese war gern unserer Einladung gefolgt. Nach dem Austausch der Grußbotschaften von Präsidentin von Fritsch und dem Vorsitzenden Seidel gingen wir zum gemütlichen Teil über, mit langen Gesprächen zum Thema „Weist Du noch …“.

Den Abschluss in Magdeburg am Montag, den 13.06.,bildete der Besuch im Landtag zu Sachsen-Anhalt. Empfangen wurden wir vom Präsidenten Hardy Peter Güssau und dem Vorsitzenden unserer Schwerstervereinigung Ulrich Seidel. Der Landtag befindet sich Am Domplatz, genau gesagt Am Domplatz 6 in einem historischen „Mehrzweckgebäude“. Er ist modern und hell ausgestattet und bietet den Abgeordneten gute Arbeitsmöglichkeiten, für gute, bürgernahe Politik, zum Wohle des Landes Sachsen-Anhalt. Zunächst hatten wir eine Führung durch Gebäude, mit Probesitzen im Plenarsaal, der auf uns einen sehr kompakten Eindruck machte.

Abschließend wurden wir vom Landtagspräsidenten im Gebäude der Nord-LB zum Essen eingeladen, an dem auch Landtagsabgeordnete verschiedener Fraktionen und Vizepräsident Wulf Gallert teilnahmen

Der zweite Otto, der den Namen Otto-Stadt begründete, ist Otto vo Guericke. Otto von Guericke, der studierte Jurist, Festungsbaumeister, Bürgermeister von Magdeburg und eben der Erfinder der Magdeburger Halbkugeln zum Nachweis des Vakuums und des Luftdruckes. Für seine Verdienste wurde er von Kaiser Leopold I. Zu Lebzeiten geadelt. Heute trägt die bedeutende TU Magdeburg seinen Namen. Sie ist eine Wissenschaftsquelle auch für die Region.

Quelle: Landtag/Viktoria Kühne

Zu Ende war damit die Jahresreise noch nicht. Es ging nach Merseburg, eine der ältesten Städte Mitteldeutschlands. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Merseburg 880/899. Nach 919 wurde der Ort von König Heinrich I. zu einer Pfalz ausgebaut. Merseburg war vom 10. Jahrhundert bis zur Reformationszeit Bischofssitz und ein bedeutendes religiöses Zentrum. Auch hier predigte Martin Luther. Schloss, Kloster und Dom bilden eine imposante Kulisse. In der Neuzeit ist Merseburg durch die bedeutende Universität Halle-Merseburg, die den Namen „Martin Luther-Universität“ bekannt geworden. Durch die Nähe der Leuna-Werke hat die Chemische Fakultät einen weltweiten Ruf erlangt.

Ausgewählt hatten wir uns den Merseburger Dom St. Johannes und St. Laurentius. Dieser war jahrhundertelang Zentrum des Bistums Merseburg sowie des Hochstifts gleiches Namens. Der Merseburger Dom St. Johannes und St. Laurentius ist eines der herausragenden Baudenkmäler an der Straße der Romanik. Im Merseburger Dom ist seit 1654 das Erbbegräbnis der wettinischen Sekundogenitur Sachsen-Merseburg untergebracht, die den Dom als Hofkirche nutzte. Diese sogenannte Fürstengruft ist ein bedeutendes Denkmal barocke Bestattungskultur.

Danach stiegen wir Wissens schwanger in unseren Reisebus und alle dachten wow, was für eine schöne Jahresreise, verbunden mit einem Dankeschön an unsere Vizepräsidentin, Uta Windisch.

Quelle: Wikipedia

Quelle: Wikipedia

Am 20.05.2017 begaben sich 32 Mitglieder (einschließlich 9 Ehepartnern) unserer Vereinigung ehemaliger Landtagsabgeordneter des Sächsischen Landtages e.V. auf eine Reise ins Saarland.

Traditionsgemäß wollten wir unserer Schwestervereinigung in Saarbrücken einen Besuch abstatten, aber natürlich auch Land und Leute kennen lernen.

Endlich hatte es geklappt, ins Saarland zu starten, waren die Saarländer doch schon zweimal in Dresden und wir hatten es bisher nicht geschafft.

Ein Extralob unserer Vizepräsidentin, Uta Windisch, der es gelungen ist, mit viel Engagement und großer Kompetenz diese Reise vorzubereiten und zur Durchführung zu bringen.  

Nur wenige von uns hatten eine genaue Vorstellung von dem weit süd-westlich Sachsens gelegenen kleinsten Flächenland der BR Deutschland. Deshalb waren wir auch ganz gespannt, was uns wohl erwarten würde.



Nach einer langen Busfahrt mit Zwischenstopp und Mittagspause in Wetzlar kamen wir gegen 18.00 Uhr in Saarbrücken im „Hotel am Triller“ an.

An Ausruhen war allerdings nicht zu denken, denn ein erster Treff mit unseren Kollegen aus dem Saarländischen Landtag war geplant. Im gemütlichen Restaurant „Stiefelbräu“ genossen wir die uns unbekannte, aber sehr schmackhafte saarländische Küche und konnten erste Erfahrungen über Landtagsprobleme hie und da austauschen.

Am Sonntag ging es zur Besichtigung der „Völklinger Hütte“. Im Saarland, das ehemalige Land von Kohle und Stahl, war ein Besuch der ehemaligen gigantischen Hüttenanlage – gegründet 1873 – Pflicht.


Seit 1994 ist sie Weltkulturerbe und heute auch Europäisches Zentrum für Kunst und Industriekultur. Jeder von uns war fasziniert von der Größe der Anlage, den technischen Anlagen und der Ingenieurskunst des 20. Jahrhunderts. Zu ihrer Blütezeit 1965 arbeiteten hier mehr als 17.000 Menschen unter Bedingungen, die wir uns heute nicht mehr vorstellen können: Schwere körperliche Arbeit, Dreck und Lärm in unvorstellbarem Ausmaß.  

Auch die Stadt Völklingen war involviert. Umweltschutz war noch in weiter Ferne und so arbeiteten die Bewohner der Stadt nicht nur im Werk,  auch das gesamte Leben war von der Hütte beeinflusst.

In Sachsen haben wir mit dem Sächsischen Industriemuseum etwas Ähnliches zu bieten. An 4 Standorten ist sächsische Industriegeschichte präsent. Darunter auch die Energiefabrik Knappenrode in der Lausitz. Und die "Montan- und Kulturlandschaft Erzgebirge" hat es in die "Vorläufige Liste Deutschlands für die Aufnahme in die Welterbeliste der UNESCO" bereits geschafft. Es gibt also durchaus Parallelen zwischen dem Saarland und dem Freistaat Sachsen.


 Jahresreise der Vereinigung vom 20.05. – 23.05.2017

Saarbrücken/Landtag des Saarlandes

Am Nachmittag kamen die auf ihre Kosten, die Kunst in anderer Gestalt mögen. Wir besichtigten das „Erlebniszentrum Villeroy & Boch“ in Mettlach.

Im historischen Ambiente der Alten Abtei von Mettlach konnten wir uns mit der langen, erfolgreichen Unternehmensgeschichte der Familien Villeroy und Boch und ihren bis heute viel gefragten Erzeugnissen vertraut machen.


Den letzten Tag unserer Reise begannen wir mit einem Stadtrundgang durch Saarbrücken, wobei wir viel über die Historie der Stadt erfuhren und die schöne Architektur der Innenstadt bewundern konnten.    


Im Saarländischen Landtag wurden wir sehr herzlich von den ehemaligen Abgeordneten empfangen. Der Landtagspräsident, Herr Klaus Meiser, erzählte uns einiges über die Arbeit des Parlamentes. Wir fühlten uns wie in einem „Wohnzimmer“, angesichts der Größe des Plenarsaales: 51 Abgeordnete machen hier Politik!

Aber vielleicht ist weniger manchmal mehr – wer weiß? Eine Vermutung, nicht mehr.

Am Abend gab es „Freizeit“ und wir konnten uns bei gutem Essen und herrlichem Saar und Mosel-Wein über unsere Eindrücke und Erlebnisse austauschen. Dass Reisen bildet und verbindet ist uns auch diesmal wieder bewusst geworden.

Die Rückreise verlief entspannt und ohne Probleme. Das war nicht zuletzt unserem Busfahrer Herrn Andreas Fromm von der Firma Kreisel aus Dresden und dem modernen Reisebus zu verdanken.

Für alle Teilnehmer war die Reise ein großes Erlebnis. Grund genug, dies weiter zu empfehlen, um vielleicht einmal wieder zu kommen, ins wunderschöne Saarland!


Auch die wechselvolle Geschichte des Saarlandes wurde uns hier noch einmal sehr deutlich. Zwei Mal 1935 und 1956 entschieden sich die Saarländer, nachdem sie jeweils zu Frankreich gehörten, in Volksentscheiden für Deutschland. Deshalb meinten die Saarländer, sie seien das „erste neue Bundesland“. Aber ein bisschen französisch sind sie doch geblieben!

Das wurde uns am Nachmittag bei einem Rundgang durch Saarlouis, der heimlichen Hauptstadt des Saarlandes, bewusst.

Jahresreise der Vereinigung vom 16.06. – 19.06.2018; München/Bayerischer Landtag

Als wir am 16.06.2018 zum 2. Mal nach München zu unserer Jahresreise aufbrachen, war das Wetter und die Prognose für die Reisedauer ausgesprochen gut, die Erwartungshaltung groß, denn mit ca. 45 Teilnehmern  hatte die Reise im Vorfeld ein großes Echo gefunden. Uta Windisch, unsere Vizepräsidentin hatte alles perfekt organisiert, da konnte nur ein außergewöhnliches Ereignis die Stimmung trüben.


Aber in Bayern ticken die Uhren immer etwas anders als im Rest der Republik. So schien es auch diesmal. Aus Bayern zeichnete sich ein handfestes Gewitter am politischen Himmel der Bundesrepublik Deutschland ab.

Die Suche nach einem Weg der Ausgewogenheit zwischen Hilfsbereitschaft auf der einen Seite und geordneten, rechtstaatlichen Aufnahme- und Abweisungsbedingungen für zu uns kommende und schutzsuchende Menschen, vorrangig aus Nahost und Afrika, auf der anderen Seite treibt das Problem das Land seit langem und die Bayern hatten wieder einmal einen nicht üblichen Weg der Einflussnahme auf das politische Geschehen gesucht. So erwarteten wir von unserer Schwestervereinigung Informationen aus erster Hand. Aber um es auch deutlich zu sagen, das Interesse bei unseren Mitgliedern und deren Lebenspartner Land, Leute, Kultur und Geschichte kennen zu lernen, war nicht nachrangig. Das nebenstehende Bild ist exakt an der Stelle aufgenommen wie vor reichlich 13 Jahren, allerdings waren es diesmal doppelt soviele Teilnehmer. In der Bildmitte vorn: Adolf Dinglreiter, Präsident der bayerischen VeMdl e.V, eingerahmt von unserer Präsidentin Angelika von Fritsch und Ehrenpräsident Erich Iltgen


Zunächst aber war das Ziel der Reise die Bayerische Landesausstellung im Kloster Ettal am Fuße der Alpen. Anlass dieser Ausstellung unter dem Motto „Mythos Bayern – Wald, Gebirg und Königstraum“ ist das Jubiläum 100 Jahre Freistaat Bayern.  Im Mittelpunkt dieser Landesausstellung stehen eindeutig die konstituierenden Elemente des „Mythos Bayern“, die allesamt vorfreistaatlich waren: Wald, Gebirge und ein traumhaftes Königstum. Ein interessantes Selbstverständnis dieses „Freistaates“. Dabei sind die mythischen Wälder Bayerns – der Ausstellung folgend – nur am Rande ein Wirtschaftsfaktor. Statt Waldbewirtschaftung, Waldnutzung und Tourismus erklingt eher ein mythisches Rauschen, sagenhaft und geheimnisvoll. Das Gebirge ist die Kulisse, wobei „Gebirg“ offenbar nur die Alpen meint. Die Mittelgebirge Bayerns spielen in der Ausstellung keine Rolle.


Schloss Linderhof aus unserem Besuchsprogramm, das Wohnzimmer Ludwig II., ging aus dem Gehöft des Bergbauern Linder hervor, in dem König Ludwig anfangs nur 2 bis 3 Zimmer mieten wollte. Aber wenn ein König vor der Politik auf der Flucht ins Reich der reinen Kunst ist, dann wird nach Inbesitznahme ein Bauernhof nicht mehr wiederzuerkennen sein, besonders wenn er so traumhaft vor der Gebirgskulisse des Ettales gelegen ist. Der Traum König Ludwig II. ist Stein geworden in Herrenchiemsee, Neuschwanstein und eben im Schloss Lindnerhof usw. Er wurde dem Königreich Bayern aber so teuer, dass König Ludwig das Angebot Bismarcks, etwa 6 Millionen Gulden (später mehr als 6 Millionen Goldmark), zu zahlen über die Schweiz an Ludwigs Privatkasse, wenn als Gegenleistung Ludwig den preußischen König Wilhelm I. in Versailles als „Deutschen Kaiser“ vorschlagen würde, einfach nicht ablehnen konnte. So geschehen, uns zur Freude.

Hinter einer barocken Fassade des Schlosses Linderhof erwartete uns Neorokoko pur in phantasmagorischer Fülle. Luchino Visconti drehte dort seinen Ludwig-Film, wobei dabei einer der Spiegel durch die Hitze der Scheinwerfer zersprang. Einige meinten, wäre dabei noch etwas von dem Meißner Porzellan zerdeppert worden, wäre dies ein Stück Wirtschaftsförderung für die Staatliche Sächsische Porzellanmanufaktur gewesen, die diese so dringend braucht. Jedenfalls erschien die Fülle  und räumliche Konzentration des Neorokoko-Inventars die Besucher zu erdrücken.


Wichtigstes Ziel der Reise war natürlich ein Besuch im Maximilianeum, dem Sitz des Bayerischen Landtages. Ein imposanter Bau von König Max II. 1857 auf der Isarhöhe bei München begonnen. Als großer „Nationalbau“ zur „Hebung des monarchischen nationalen Volksgeistes“. Unsere Schwestervereinigung der ehemaligen Mitglieder des Bayerischen Landtages e.V. war uns ein offener, herzlicher und bei der Organisation der Reise außerordentlich hilfreicher Gastgeber. Vor allem ihr Geschäftsführer Heribert Neuffer hat maßgeblich zum Gelingen der Reise beigetragen. Am Montag den 18.06.2018 stand die Landtagsbesichtigung auf dem Plan. Empfangen wurden wir vom Herrn Korinek, einem Urgestein des Besucherdienstes, der uns ausführlich die wichtigsten Räumlichkeiten zeigte und Besonderheiten erklärte. Die Begrüßung im Plenarsaal durch den Vorsitzenden der Bayerischen Schwestervereinigung Adolf Dinglreiter, folgte die Einladung zum Mittagessen durch Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Dazu kam Thomas Goppel, Minister im Kabinett Stoiber. Thomas Goppel, heute MdL, unterrichtete die sächsischen Gäste über die vormittägliche CSU-Landesvorstandssitzung, an der er teilnahm und die er extra wegen uns verlassen hatte – nicht selbstverständlich. Von Herrn Goppel erfuhren die Gäste aus Sachsen höchst aktuell, auf welchen Kompromiss sich in der Flüchtlingskrise am Abend Innenminister Seehofer mit Kanzlerin Merkel einigen möchte. Am Abend zeigte sich dann, dass das Ergebnis weitgehend die bayerischen Vorschläge widerspiegelte. Unklar blieb nur, ob die sächsischen Gäste vor oder nach Kanzlerin Merkel erfahren hatten, welchem Beschluss diese am Abend ihre Zustimmung geben wird. Wir glaubten natürlich wir.


Geselligkeit durfte auf der Reise natürlich nicht zu kurz kommen. Bei einem Besuch im Münchner Biergarten Hofbräu-Keller gleich am ersten Abend wurde uns die Kultur der bayrischen Biergärten bewusst. Es gibt sicher keinen Fleck auf der Erde, wo es mehr Biergärten mit Millionen von Besuchern gibt, wie im Freistaat Bayern. Einer der sich bestens auskennt war Heribert Neuffer, der Geschäftsführer der bayerischen VeMdL e.V. Bei manchem durfte eine Schweinshaxe zum Abendbrot nicht fehlen.   

Unsere Präsidentin dankte allen die zum Gelingen der Reise beigetragen haben.


Bilder von linke nach rechts:

Gesamtansicht Kloster Ettal; Quelle: Pixabay; Creative common

Eingan zur Computershow;

Computershow Ludwig und seine Schlösser;

In der Landesausstellung Mythos Bayern;

Quelle: alle anderen Fotos: VeMdL e. V.


Bilder von linke nach rechts:

Gesamtansicht Schloss Linderhof;

 Quelle: Pixabay; Creative common

Das Lieblingstier Lundwig II:

Arbeits- und Empfangssaal;

Schlossgarten

Quelle: alle Fotos: VeMdL e. V.


Danach folgte eine Stadtrundfahrt und anschließend ein Stadtrundgang durch die historische Innenstadt von München für die Härtesten unter uns. Nach Ludwig dem Bayern war München der Sitz der Wittelsbacher Herzöge von Bayern, das erbteilungsbedingt mal größer und mal kleiner war. Mönche erbauten sich schon im 12. Jahrhundert die Peterskirche „bei den Mönchen“, was der entstehenden Stadt ringsum schließlich ihren Namen „München“ verlieh. Weithin sichtbarer Ausdruck des Wittelsbacher Erbes ist das Museumsviertel. Museen von Weltruf wie Alte und Neue Pinakothek, Lenbachhaus, Pinakothek der Moderne, Paläontologisches Museum in der ehemaligen Kunstgewerbeschule, Glyptothek, Propyläen, Staatliche Antikensammlungen, Basilika Sankt Bonifaz sind Ausdruck dessen, dass zwei ganze und zwei halbe Tage nicht annähern ausreichen, um München wirklich kennenzulernen. Nicht zu übersehen ist Bayerns Größe an der Statue der Bavaria am Rande der Theresienwiese. Diese fast 19 Meter hohe gusseiserne Statue mit Schwert und Eichenkranz, zu ihren Füßen der Bayerische Löwe, thront vor der Ruhmeshalle, in der 77 Büsten von Männern und wenigen Frauen Bayerns Prominenz aus Politik, Wissenschaft und Kunst verehren. Wenn alljährlich das Volk auf der „Wiesn“ vor der Bavaria das Oktoberfest feiert, ist sich höchst wahrscheinlich nicht mehr jeder Maßbier schwenkende Besucher dessen bewusst, dass er die große Hochzeit von 1810 nachfeiert, als der Thronfolger und spätere König Ludwig I. von Bayern Therese von Sachsen-Hildburghausen heiratete. Der geführte Stadtrundgang endete für die Vereinsmitglieder an der Frauenkirche mit ihren zwei ungleich hohen Türmen, von den Münchnern liebevoll „Blasi“ und „Stasi“ genannt. Nach der Frauenkirche war gleich nebenan der letzte Programmpunkt des Tages lokalisiert: Abschiedsabend im „Augustiner Brauhaus am Dom“. Das „Münchner Original“ Rudi Knoll, Zitherspieler und Sänger, gab uns einen Eindruck von einer weiteren Seite des „Mythos Bayern“, wechselte aber im Laufe des Abends, zur Freude seiner Gäste, zum „Steigerlied“;  „Holzmichl“ und „Vuglbeerbaam“. Zur Geburt eines analogen „Mythos Sachsen“ hat der Gesang aber vielleicht noch nicht gereicht, ähnelte aber doch sehr dem „Schichtwechsel“, den Freiberger Studenten ab 24:00 Uhr im „Bierkeller“ der Alten Mensa schmetterten, um danach auf dem Freiberger Obermarkt die Löwen am Brunnen mit dem Standbild des Wettiners „Otto der Reiche - Markgraf von Meißen“ zu reiten.

 

Der vierte und letzte Reisetag sah schließlich einen Besuch der Bavaria Filmstudios in Geiselgasteig bei München vor. Hier erfuhren die Vereinsmitglieder, mit welchen Mitteln und Techniken Kinobesucher und Fernsehzuschauer die Illusion erfahren, sie seien Gast an König Ludwigs Hof, seien mit Jim Knopf, dem Lokomotivführer unterwegs, begleiteten Asterix und Obelix auf ihrem Weg nach Rom oder seien in Lothar-Günther Buchheims U-Boot U96 im 2. Weltkrieg tief im Atlantik eingeschlossen.

Wie jedes Jahr erfolgt der Blick voraus, wohin uns die nächste Jahresfahrt führen wird. Mit Uta Windisch kann man eine Fahrt zu jedem Punkt der Erde planen, sie wird dies ausgezeichnet managen.


Bilder von linke nach rechts: Gesamtansicht Maximilianeum; Quelle: Pixabay; Creative common; Saal Landtagspräsidium; Plenarsaal; Mttagessen auf Einladung der Landtagspräsidentin Quelle: alle Fotos: VeMdL e. V.


obere Reihe: München eine Reise wert; untere Reihe: Bavaria-Filmstadt; Quelle: alle Bilder VeMdL e.V.