News aus der Vereinigung
Frage 4: Wo besteht noch Forschungsbedarf und wie und wer sollte die Ergebnisse umsetzen? Sind die staatlichen Steuerungselemente dafür effektiv?
Quelle: Foto von gokeman; http://fotowelt.chip.de/index.cfm?pid=1551&pk=129546&op=showallimages
Interview zum 15. Gesprächskreis: „Energiekonzeption der Zukunft“, Prof. Dr. Bongaerts, TU Bergakademie Freiberg und Sven Schulze, Prokurist enviaM AG
Am 12. April 2014 fand der 15. Gesprächskreis der VeMdL e.V. im Sächsischen Landtag mit ca. 25 Mitgliedern und Gästen zum Thema „Energiekonzeption der Zukunft“ statt. Zunächst waren Grundsatzreferate zu hören und hernach wurde darüber diskutiert.
Links: Prof. Dr. Bongaerts, TU BA Freiberg 1                                                            mitte: Blick in den 15. Gesprächskreis im Sächsischen Landtag, 12..04.2014                                            rechts: Sven Schulze, Prokurist EnviaM AG
Eingeladen waren: Prof. Dr. Jan C. Bongaerts, TU Bergakademie Freiberg - Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, Lehrstuhl Umwelt- und Ressourcenmanagement und Herr Sven Schulze, Prokurist der enviaM AG, Leiter Unternehmenskommunikation/ Umfeldmanagement.
Mit den Referenten führte der Dr.-Ing. Michael Lersow, Gesprächskreisleiter und Vizepräsident der VeMdL e.V. das folgende Interview und legte den Referenten dazu die folgenden Fragen vor, die den Inhalt des Gesprächskreises widerspiegeln.
Frage 1: Meine Herren, überrascht Sie, mit welchen Themen sich ehemalige Landtagsabgeordnete heute noch beschäftigen?
Alleine die Existenz des Gesprächskreises zeigt, dass die „Ehemaligen“ die Bühne der Politik verlassen, die Politik aber keineswegs aufgegeben haben. Das ehrt sie. Neben dem Komplex „Bildung“ ist die Energiepolitik DAS Thema für eine erfolgreiche Zukunftsgestaltung. Die Welt schaut auf uns, wie wir unsere Energiewirtschaft vollkommen neu gestalten.  
Frage 2: Welche gravierendsten Probleme ergaben sich aus dem abrupten Ausstieg aus der Kernenergie und dem vehementen Umstieg auf regenerative Energien, volkswirtschaftlich und betriebswirtschaftlich, für die Bürger?
Der Umstieg fand schon vorher statt, der Ausstieg hat ihn aber sehr beschleunigt. Deutschland macht alles gründlich. Wenn Energie aus erneuerbaren Quellen, dann gleich ganz viel davon. Alle Prognosen über diesen Anstieg waren bisher falsch, zu niedrig. Die Einspeisung zu garantierten Festpreisen forderte bisher die enormen Mehrkosten von 25 Milliarden Euro, die auf alle privaten Stromkunden umgelegt werden. Eine große Belastung. Die Erzeuger von Strom aus erneuerbaren Quellen mussten sich wegen der garantierten Netzeinspeisung bisher nicht um Kunden kümmern. Das Energiewirtschaftliche Zieldreieck aus Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit ist aus dem Gleichgewicht geraten.
Frage 3: Was sind die dringendsten Aufgaben, die sofort und entschlossen angegangen werden sollten, damit die Energiewende ein voller Erfolg wird?
Wir brauchen eine wirkliche Marktintegration der Erneuerbaren Energien, eine Synchronisation von EE-Ausbau und Netzausbau, ein Marktdesign, das einen wirtschaftlichen Betrieb konventioneller Kraftwerke ermöglicht. Verhindert werden muss die Vernichtung von Kapital, auch der Bürger, vor allem von neuen Gaskraftwerken mit hohen Wirkungsgraden, die wegen zu wenigen Betriebsstunden stillgelegt werden2. Für eine Übergangszeit könnte ein sogenannter Kapazitätsmarkt sinnvoll sein.  In der Zukunft soll das EEG den Rahmen für den Markt setzen und nicht ein Katalog der Vergütungssätze, Prämien, Ab- und Aufschläge für die Lieferung und Selbstnutzung von Erneuerbarer Energie.
Verteilung der finanziellen Lasten der Energiewende, Folie bearb. EnviaM AG
Wie viel Zentrale und wie viel Dezentrale Energiesysteme sind für die Energiewende optimal? Ob und welche neuen Strom-Ferntrassen und Verteilnetze werden benötigt? Große Industriewerke können nicht dezentral und nur mit Windenergie - beliefert werden. Soll Elektrizität aus erneuerbaren Quellen in großen Mengen speicherbar sein und welche Techniken sind dafür geeignet? Sind diese Techniken eine Alternative für neue Strom-Ferntrassen?  Welche Vorteile bringen die sogenannten smart grids3, die teuer sind und deren Datenschutz nicht ausgereift ist? Effektive staatliche Instrumente der Forschung müssen mit Anschubfinanzierung, wie eingangs beim EEG, ergänzt werden. Allerdings braucht die Energiewirtschaft in sich einen Konsens bei der Umsetzung notwendiger Maßnahmen für eine erfolgreiche Energiewende. Wenn jeder sich selbst betriebswirtschaftlich optimiert, führt dies nicht zum Besten für die Volkswirtschaft.
Netzausbau der EnviaM AG, Stromtrassen, Bild EnviaM AG
Frage 5: Welche Forderungen stellen Sie an die Politik, damit die Energiewende in Deutschland ein voller Erfolg wird?
Die Politik hat große Möglichkeiten, nachhaltige Märkte für Erneuerbare Energie zu gestalten und um Akzeptanz zu werben. Stabile Märkte schaffen zudem die Rahmenbedingungen für eine ausreichende Investitionssicherheit.  Eine Energiepolitik aus einem Guss, gegen Lobbyinteressen. Ein Masterplan wäre wichtig!
Frage 6: Warum gibt es keine Vereinheitlichung der Energiewirtschaften in Europa? Wie sehen Sie die Energiewirtschaft BR D in 30 Jahren aufgestellt?
Es gibt eine Energiepolitik auf der Ebene der Europäischen Union, vor allem in Hinblick auf die Rahmenbedingungen, wie die Schaffung eines Binnenmarktes, der Netzausbau über die Grenzen hinweg und die Integration mit der Klimapolitik. Kein Mitgliedstaat möchte allerdings, dass Brüssel den Energiemix vorgibt, wegen der strategischen nationalen Interessen. Nationale Forderungen haben aber ihren Effekt auf die Energiewirtschaften der Mitgliedstaaten.
Die Energiewirtschaft in Deutschland wird auf jeden Fall dezentraler und grüner sein. Wir werden viele kleine Player auf diesem Markt sehen mit ganz neuen Geschäftsmodellen, vielfältige Energie- Dienstleistungen und eine ausgeprägte Kundenorientierung, auch in einem Europäischen Kontext.
Meine Herren, vielen Dank, ein freundliches Glück Auf und ein Wiedersehen auf einer der Veranstaltungen der VeMdL e.V.
1Belgischer Staatsbürger       2  Stadtwerke haben jetzt bei der Bundesnetzagentur angemeldet, wegen der hohen Verluste, Kraftwerke stillzulegen     3 Intelligente Stromzähler