3. Exkursion 2013

der Vereinigung ehemaliger Mitglieder des Sächsischen Landtages e.V.

Der Staatsbetrieb Sachsenforst betreibt auch 3 Waldschulheime, 2 Ausbildungsstätten und ein Kompetenzzentrum. Neben der Weiterentwicklung forstlicher Methoden und Verfahren, galt der Ausbildung des Nachwuchses, der Weiterbildung und der Aufklärung der Bevölkerung, insbesondere von jungen Menschen, schon immer die besondere Aufmerksamkeit. So kann man am besten die Ziele, die man mit dem nachhaltigen Waldumbau verfolgt, am besten vermitteln.
Ziele des nachhaltigen Waldumbaus in Sachsen:
-   Erhöhung der Stabililität und Betriebssicherheit - Minderung von Katastrophenschäden durch Baumarten - Strukturvielfalt
-   Verbesserung der Ertragslage; -   Vielfältiges Angebot auf dem Holzmarkt
-   Aufbau eines sich selbstregulierenden Verjüngungssystem über Naturverjüngung - langfristige Kostensenkung
-   Erhöhung der Biodiversität; -   Verbesserung des Bodenzustandes;   Bessere Grundwasserbildung
-   Erhöhung des Hochwasserschutzes; - Verbesserung der Erholungswirkung
-   Anpassung der Wälder an den Klimawandel
Am Waldschulheim Conradswiese, das im Verantwortungsbereich des Forstbezirkes Eibenstock gehört, brachte uns der Abteilungsleiter Staatswald im FoB Eibenstock, Horst Escher, neben der Geschichte des Waldschulheims Conradswiese auch einiges über die Geschichte seiner Heimat, das Erzgebirge, nahe. Es war nicht nur eine nette Geste von Prof. Dr. Braun sondern auch Anerkennung für Horst Escher, dass er vor der Exkursion der VeMdL e.V. für seine 40 jährige Betriebszugehörigkeit geehrte wurde. Ein Leben für den Forst und Dank dafür!
Von links nach rechts: Abteilungsleiter Horst Escher erklärt das Waldschulheim Conradswiese; Waldlehrpfad am Waldschulheim Conradswiese, Ehrung für 40 jährige Betriebszugehörigkeit; Waldumbau vor Ort

Die nächste Station war das Revier Antonsthal,  Abt. 174 b0 Erlabrunn.  Hier ging es  darum, Beispiele für die natürliche Sukzession, die Kostenentwicklung nach Stürmen, die damit verbundenen Verluste durch Holzentwertung sowie die erfolgreiche Wiederbewaldung zu zeigen. Die zentrale Botschaft hier war: Katastrophen sind zugleich auch Chancen zum Waldumbau. Folgen der Klimaänderungen für den Wald sind:

●       Abnahme der klimatischen Wasserbilanz führt zu Zuwachsverlusten, Vitalitätsschwächungen und höherer Waldbrandgefahr

●       Sturmschäden nehmen zu, lokal steigt die Schneebruchgefahr

●       Durch die längere Vegetationszeit und höhere Temperaturen steigt das Befallsrisiko durch Pilze und Insekten

●       Kalamitäten führen zu Holzentwertungen, Ertragsausfällen, Mehrkosten im Bereich der Waldschutzkosten, Standortverschlechterungen und höheren Wegebaukosten

●       Die Fichte fällt in weiten Teilen des Tieflandes bis in die mittleren Berglagen als Wirtschaftsbaumart aus und muss durch andere Baumarten ersetzt werden.

Hier ging es vor allen Dingen um das  Zeigen der schlimmen Sturmschäden, als 2002 ein Tornado weite Teile des Krankenhausparks der Kliniken Erlabrunn verwüstete und dazu noch den gegenüberliegenden bewaldeten Hang komplett „umlegte“. Wir gingen ein Stück ins Steinbachtal und die Katastrophe wurde jedem gegenwärtig, aber auch welche großen Aufforstungsarbeiten geleistet wurden. Die anschließende Fahrt durchs gesamte Steinbachtal zeigte die immensen Sturmschäden, die auch noch in folgenden Jahre entstanden sind. Zwischenzeitlich ist an den Teufelssteinen Klettern möglich und links des Steinbachs ist ein Lehrpfad über die Pflanzen- und Tierwelt der Region eingerichtet. Die Busfahrt führte anschließend bis auf ca. 900 m NN zur Ausflugsgaststätte „Henneberg“, in unmittelbarer Nähe des Kleinen Kranichsees, einem Hochmoor, an der Grenze zu Böhmen, wo alle hungrig das Mittagsbrot einnahmen.

 

 

Anschließend ging es zur letzten Exkursionsstation ins Böhmische über den Grenzübergang Oberwiesenthal nach Boží Dar (Gottesgab), wo auch die Grabstätte von Anton Günther liegt. Hier erfuhren wir vieles über die Länderübergreifende Zusammenarbeit, über gemeinsame Projekte und europäische Fördermöglichkeiten, wie die Wiedereinbringung der Weisstanne oder den Bergwaldgarten am Auersberg.
Zwischen Sachsen und Böhmen existiert seit Jahrhunderten eine unveränderte Grenze. Jenseits der Grenze siedelten Sachsen und Böhmen, trieben Handel, haben lange, gemeinsame Bergbautraditionen, in vielen Familien gibt es deutsche und böhmische Vorfahren.
1654 wurde von Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen die Gründung von Johanngeorgenstadt durch aus Böhmen vertriebene Exulanten (evangelische Christen) genehmigt. Er bestimmte, dass die neue Stadt seinen Namen tragen sollte. Auf beiden Seiten der Grenze wurde umfänglicher Bergbau betrieben, es hallte ein Berggeschrey durch die Täler und von den Bergen zwischen Auersberg, Fichtelberg und Platten. Carl Bernhard von Cotta, Sohn von Johann Heinrich Cotta und Inhaber des Lehrstuhls für Geognosie an der Bergakademie Freiberg, hatte mit seiner Geognostischen Karte von Sachsen  und seiner modernen Erzlagerstättenlehre dazu beigetragen, dass sich dadurch neue Gewinnungsmöglichkeiten auch im sächsischen-böhmischen Erzgebirge eröffneten.
Zunächst ging der Bergbau auf Silber, dann folgte Zinn, später wurden aus uranhaltigen Erzen fluorizierende Farben hergestellt, in den sogenannten Farbmühlen und nach dem 2. Weltkrieg wurde Uran gewonnen. Die sogenannte Joachimsthaler Uranerzlagerstätte verlief über die Grenze bis nach Johanngeorgenstadt. Jáchymov (Sankt Joachimsthal) liegt nur wenige Kilometer talwärts in Richtung Karlsbad von Boží Dar entfernt. In Jáchymov existiert das älteste Radiumsol-Heilbad der Welt. Ein Pendant wird in Bad Schlema betrieben.
In Boží Dar empfing uns  der Kommunalwaldförster Karel Picura. Wir besuchten zunächst das Heimatmuseum, das mit Hilfe von EU-Fördermitteln sehr schön ausgebaut wurde und die Geschichte und Traditionen im Grenzgebiet sehr plastisch darstellt. Danach wanderten wir über den Moorlehrpfad auf der Hochebene von Gottesgab unterhalb des Fichtelbergs. Von Karel Picura und Stephan Schusser erfuhren wir auch hier wieder viel Wissenswertes. Sie zeigten uns Zwergbirken, der nächste Verbreitungsort liegt in Skandinavien und dass die Menschen hier das Hochmoor nutzten, um Torf für den Hausbrand und für die Eisenherstellung zu gewinnen. Viele Wasserlöcher sind darauf zurückzuführen.
Von links nach rechts: Sturmschäden aus dem Jahre 2005 in Erlabrunn, Sturmschäden und Aufpflanzungen Steinbachtal, die Felsengruppe "Teufelssteine" aus magmatischem Tiefengestein - mitten im Naturpark Steinbachtal, Ausflugsgastätte Henneberg, die Exkursionsgruppe zum Mittagessen
Der Wald ist in Sachsen in besten Händen, für ehemalige Landtagsabgeordnete ein freudiges Resümee dieser Exkursion. Danke, Staatsbetrieb Sachsenforst!
Von linke nach rechts: Lageplan von Boží Dar (Gottesgab), Begrüßung durch Karel Picura, Heimatmuseum von Boží Dar mit Anton Günther Vitrine
Von linke nach rechts: Moorlehrpfad von Boží Dar (Gottesgab), Moorboden mit Zwergbirken, Naturschauspiel, Hochmoorlandschaft, Wasserstellen
Dabei konnte sich der Staatsbetrieb Sachsenforst seit 1990 immer der Unterstützung der Politik sicher sein. Bei welchen Gesetzen gab es im Sächsischen Landtag fraktionsübergreifend so große Zustimmung wie beim Waldgesetz und beim Landesentwicklungsplan? Sicher, auch der Sachsenforst musste sich umstrukturieren. Neben dem Personalumbau, Ausgliederung von forstlichen Leistungen, hin zur nachhaltigen Waldentwicklung, Pflege zu Weiterentwicklung von forstlichen Verfahren und Gewinnung von neuen Erkenntnissen, weg vom reinen Holzgewinn, dies war ein kein einfacher Weg, aber letzendlich ein erfolgreicher. Seit einigen Jahren weist der Staatsbetrieb Sachsenforst ein positives Ergebnis aus. Es ist gut bestellt mit dem Staatsvermögen Wald. Es wird ein konsequenter Verjüngungsprozess beschritten.
Bezogen auf das Jahr 2011 wurden bei der Walderneuerung/Waldumbau ca. 8 Mio junger Bäume gepflanzt, 1451 ha Walderneuerung durch Pflanzung und Saat, davon 1344 ha Waldumbau, v.a. Buche, Eiche und Weisstanne. Für 1300 ha Landeswald in Sachsen wurden pro Jahr 15 Mio Euro verausgabt, davon 1,5 Mio Euro im Forstbezirk Eibenstock für 250 ha. Im Forstbezirk Eibenstock ist der Waldumbau am weitesten voran geschritten.
Die Anforderungen der Gesellschaft an einen multifunktionalen Wald unter sich ändernden Umweltbedingungen erfordern moderne jagdliche Rahmenbedingungen, die die Erfordernisse des Waldumbaus als Jahrhundertaufgabe berücksichtigen. Das Sächsisches Jagdgesetz – SächsJagdG vom 01.09.2012 trägt diesem Rechnung. So ist der Waldumbau ohne wirksame Schalenwildbegrenzung unmöglich. Es wird eine notwendige Rotwilddicht von ≤ 1,0/100 ha und eine notwendige Rehwilddichte von ≤ 3,0/100 ha angestrebt.
Ein weiterer Schwerpunkt der Darstellung und auch der Diskussion in frischer Waldluft bildeten die Ausführungen zur Grösse der Waldumbaufläche im Staatsbetrieb und im Forstbezirk, die Kosten des Waldumbaus, die auf den Waldumbau ausgerichtete Jagdstrategie; die Schaffung von Strukturvielfalt und Artenmischung, am Beispiel der Pflanzungen mit Weisstanne und Rotbuche.
Im Freistaat gibt es 521.285 ha Wald (davon im Fortsbezirk Eibenstock 20.576,6 ha - der Staatsbetrieb Sachsenforst gliedert sich in 12 Forstbezirke), dies entspricht 28,3% der Fläche des Freistaates. Der Holzvorrat beträgt 126 Mio m3 . Je Hektar und Jahr beträgt der Holzzuwachs 9,4 m3. 100 Mio Waldbesuche gibt es jährlich. 90% der Nationalparks, 2/3 der NSG, 57% der FFH und 51% der Vogelschutzgebiete sind Wald.
Der Staatsbetrieb Sachsenforst macht jährlich 3,5 - 4,0 Mrd. Euro Umsatz. Es gibt in Sachsen 85.000 Waldbesitzer mit 36.000 Beschäftigten in 6.000 Betrieben. Dies ist auch ein erheblicher Wirtschaftsfaktor.
Die grösste Herausforderung ist der Klimawandel. Oberste Priorität hat der rechtzeitige Umbau, in stabile, gesunde, gemischte und leistungsfähige Zukunftswälder.
Von links nach rechts: Sich entwickelnder Waldumbau, Weisstanne, Rotbuche, Angelika Freifrau von Fritsch , Vizepräsidentin des Landesjagdverbandes Sachsen, unsere Schriftführerin im Präsidium, erklärt dem Exkursionsleiter, Dr. Michael Lersow, wieviel Wild ein gesunder Wald verträgt
Versiert und fachlich fundiert erklärte Herr Schusser uns die Waldfunktionen, ging auf Klimaprognosen ein und konnte damit Schlussfolgerungen begründen, für die hier gewählte Form der Waldbewirtschaftung und die Notwendigkeit des nachhaltigen Waldumbaus hin zu stabileren Wäldern. Dies liegt insbesondere im Interesse der Gesellschaft. Für den Waldumbau wird im Forstbezirk Eibenstock verstärkt die Weisstanne gepflanzt und verbreitet, insbesondere durch Freilandsaaten. Sie passt besonders gut in die Landschaft und zum Klima hier.

Natürlich orientiert man sich am Begründer der nachhaltigen Forstwirtschaft und Forstwissenschaft, Johann Heinrich Cotta, der seinen Lebensmittelpunkt in Tharandt bei Freiberg gewählt hatte. Heinrich Cotta hat den Waldbau als ganzheitliche „Wissenschaft und Kunst“ entwickelt und wird deshalb auch zurecht als der bedeutendste Forstmann überhaupt bezeichnet. Die Erkenntnisse Cottas gepaart mit den neuen Möglichkeiten der Wissenschaft und Forschung sind im Forstbezirk Eibenstock auf fruchtbaren Boden gefallen, denn hier ist der Waldumbau in Sachsen am weitesten fortgeschritten.
Leiter des Forstbezirkes, Stephan Schusser, erklärt den Waldumbau und deren Nachhaltigkeit im Revier Conradswiese, Abt. 223 a4 am Beispiel: Waldumbau von Fichtenforsten in Mischwald mit vielfältigen Waldfunktionen
Das 3. Thema aus dem Landesentwicklungsplan - nachhaltige Waldentwicklung - hat im Vorfeld grosses Interesse in der VeMdL e.V. gefunden und so brachen wiederum fast 30 Exkursionsteilnehmer vom Forstbezirksamt Eibenstock auf, um einiges über die nachhaltige Waldentwicklung am Beispiel des Forstbezirkes Eibenstock zu erfahren. Zum wunderbaren Ergebnis dieser Exkursion hatten zunächst sowohl die Geschäftsführung des Staatsbetriebes Sachsenforst, Prof. Dr. Hubert Braun, als auch der Leiter des Forstbezirkes, Stephan Schusser, beigetragen, begleitend dabei auch das Wetter. Es machte in der Schlechtwetterphase Pause und bescherte uns trockenes und teilweise sonniges Wetter an diesem Tage.
Der Leiter des Forstbezirkes Eibenstock, Stephan Schusser, stellte uns mit sichtlichem Stolz seinen Forstbezirk vor. Dieser ist nicht nur kompakt in der Fläche, er ist der waldreichste in Sachsen und bildet das Fundament für die schöne Mittelgebirgslandschaft des Westerzgebirges. Erster Exkursionsstop war im Revier Conradswiese, Abt. 228 a3
Prof. Dr. Braun gibt eine Zusammenschau zur Waldzustandsentwicklung in Sachsen von 1990 bis 2013
Exkursionen in den Jahren 2011 bis 2013
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3. Exkursion der Vereinigung ehemaliger Abgeordneter des Sächsischen Landtages  - VeMdL e.V. 14.09.2013
„Zukunftswald im Erzgebirge – nachhaltige Waldentwicklung im Forstbezirk Eibenstock“