2. Exkursion 2012

der Vereinigung ehemaliger Mitglieder des Sächsischen Landtages e.V.

Nach einem kurzen „Lunchbreak“ im Hotel-Gasthof „Zum Erbgericht“ in Höckendorf ging es zum nächsten Exkursionsziel der Talsperre Flaje auf der Böhmischen Seite des Erzgebirges.
Die Talsperre Fláje (Fleyh) befindet sich bei Český Jiřetín (Georgendorf) und staut die Flöha (tschechisch Flájský potok) in ihrem Oberlauf. Der Stausee der Fláje-Talsperre nimmt eine Fläche von 153 ha ein. Gestaut wird das Wasser aus einem Einzugsgebiet von 43,13 km². Die Länge der Staumauerkrone beträgt 459 m und die Mauerkronenbreite 8 Meter, die Höhe über Gründungssohle: 56 Meter. Das abfließende Wasser wird in der unterhalb gelegenen Talsperre Rauschenbach noch einmal aufgestaut. Wegen der Nutzung als Trinkwasserreservoir ist eine Nutzung zu Erholungszwecken ausgeschlossen. Das Betreten der Uferbereiche des Stausees ist verboten. Bekannt wurde Fleyh, als im 17. Jahrhundert der 18 Kilometer lange Floßgraben errichtet wurde, der bis 1872 dem Holztransport aus den böhmischen Erzgebirgswäldern zu den Freiberger Bergbauunternehmen diente. Die Talsperre schneidet heute teilweise diesen Floßgraben. Es ist allerdings vorgesehen, diesen wieder instandzusetzen. Vielleicht ein Projekt der Montanregion „Erzgebirge“??
In Empfang genommen wurden wir durch den Staumeister der Talsperre Flaje des Staatsbetriebes Povodi Ohre, Herrn Jakes, und durch die Dolmetscherin, Frau Matern (von der LTV bereitgestellt). Nach einem kurzen Rundgang auf der Staumauer ging es in das Innere des Absperrbauwerkes aus Beton. Die Begehung startete ca. 5 m unterhalb des Stauziels im Kontrollgang und ging hinab bis an den Fuß des Absperrbauwerkes. Auf der einen Seite des Bauwerkes standen ca. 50 m Wassersäule (5 bar) an, auf der anderen Seite ging es ins Freie. Ein eigentümliches Gefühl. Auf der eine Seite das Rauschen des Wassers zu hören, auf der anderen Seite das Zwitschern der Vögel.
Hydrologie/Nutzung
Zufließende Gewässer
Flájský potok
Gestautes Gewässer
Flájský potok
Gesamt-Einzugsgebiet
43,13 km2 (alles in Tschechien)
Staubecken
Gesamtstauraum
23,1 Mio. m³
Speicherraum
23,1 Mio. m³
Stauoberfläche bei Vollstau
153 ha
Absperrbauwerk
Höhenlage der Mauerkrone
739,31 m über NN
Kronenlänge
459 m
Kronenbreite
8,00 m
Höhe über Talsohle
49,46 m
Datenquelle:  http://de.wikipedia.org/wiki/Talsperre_Fl%C3%A1je
Am Standort angekommen, wurden wir zunächst mit Kaffee bewirtet und dann umfassend über die Talsperre informiert. Ein Blick in die Überwachungs- und Datenzentrale der Talsperre Rauschenbach rundete das Bild ab, denn dies hatten wir bisher nicht zu sehen bekommen. So wurde deutlich, wie der Talsperrenverbund funktioniert und welche große Bedeutung die Kommunikation hat, bis hin zur Schnittstelle der Hochwassermeldezentrale der LTV zum Landeshochwasserzentrum beim LfULG.
Hydrologie/Nutzung
Zufließende Gewässer
Flöha
Gestautes Gewässer
Flöha
Gesamt-Einzugsgebiet
70,50 km² (davon 10,70 km² auf sächsischem Gebiet und 59,80 km² auf tschechischem Gebiet)
Staubecken
Gesamtstauraum
15,20 Mio. m³
Absperrbauwerk
Höhenlage der Mauerkrone
600,50 m über NN
Kronenlänge
346m
Kronenbreite
6,30 m
Höhe über Talsohle
40,34 m
Datenquelle:  www.talsperren-sachsen.de
Eine Besonderheit des Absperrbauwerkes, es ist Gewichtsstaumauer aus Beton mit gerader Achse und Schleppplatte ausgelegt
Gern haben wir dem GF der LTV Sachsen, Dr. Sieber, unseren herzlichen Dank gesagt, für seine großartige Unterstützung, bevor es zum Exkursionsabschluss in die Brauerei Rechenberg nach Rechenberg-Bienenmühle ging. Schon 1558 erlangte der Ort Rechenberg das Braurecht, das auch als Gründungsjahr der Brauerei angesehen werden kann. Die Brauerei hat eine bewegte Geschichte. Heute wird sie von den Brüdern Andreas und Thomas Meyer als Familienbetrieb und Fassbrauerei geführt. Herr Andreas Meyer führte auch die Besichtigung des Brauereimuseums mit uns durch. Kompetent und interessant erfuhren wir alles über die Bierherstellung und warum in dieser Brauerei das Bier nur in Fässern abgefüllt und verkauft wird. Nach der langen Exkursion waren alle froh, einen kleinen Imbiss und ein Glas Bier leeren zu können. Die Stimmung war ausgelassen. Zum abschließenden Gruppenfoto ließ sich auch der Firmenchef bitten und dann ging es zurück nach Holzhau, wo einige noch Quartier im Hotel „Lindenhof“ nahmen und den Tag ausklingen ließen.
In einem waren sich alle einig, der Arbeitspunkt „Exkursionen“ ist fester Bestandteil der VeMdL e.V. geworden. Die Erwartungen an die 3. Exkursion 2013 sind wieder groß.
Immer nach dem Motto: „Mal schauen, was aus den Beschlüssen geworden ist.“
Die Talsperre Flaje wurde zwischen 1951 - 1964 erbaut. Sie ist die einzige Pfeilerkopfstaumauer Tschechiens und wird vom Staatsbetrieb Povodi Ohre (Eger) betrieben. Sie wurde zur Trinkwasserversorgung der Region Most errichtet. Durch den industriellen Ausbau des Böhmischen Beckens (Braunkohlenbergbau, Energiegewinnung und chemische Betriebe etc.) und des damit verbundenen Anwachsens der Bevölkerungszahl, musste die bereit zu stellende Trinkwassermenge erhöht werden, die Talsperre Flaje entstand. Zwei größere und eine kleine Wasserkraftanlage mit Leistungen von 2 mal 4 MW und 16 kW nutzen das Talsperrenwasser, um Strom zu erzeugen. Beim Bau der Talsperre wurde der Ort Fláje (Fleyh) überflutet und die im Wassereinzugsgebiet befindlichen Dörfer Vilejšov, Oldřiš, Mackov und Pastviny aufgelassen. Zwischen dem Staatsbetrieb Povodi Ohre und der LTV Sachsen gibt es eine enge und gute Zusammenarbeit.
Hydrologie/Nutzung
Zufließende Gewässer
Wilde Weißeritz
Gestautes Gewässer
Wilde Weißeritz
Gesamt-Einzugsgebiet
89,4 km2 (davon 12,3 km2 in Tschechien)
Staubecken
Gesamtstauraum
16,38 Mio m3
davon Betriebs- und Reserveraum
14,42 Mio m3
Gewöhnliches Hochwasser (Rückhalteraum)
1,96 Mio m3
Stauoberfläche bei Vollstau
1,16 km2
Absperrbauwerk
Höhenlage der Mauerkrone
394 m über NN
Kronenlänge
310 m
Kronenbreite
6,20 m
Höhe über Talsohle
33,50 m
Datenquelle:  www.talsperren-sachsen.de
Die Talsperre Klingenberg, Datenquelle LTV:
Die Trinkwassertalsperre Klingenberg im Erzgebirge ist ein frühes Meisterwerk des berühmten Architekten Hans Poelzig. Sie wurde zwischen 1908 und 1914 gebaut. Ursprünglich hieß sie Friedrich-August-Talsperre und war somit dem letzten sächsischen König gewidmet. Heute steht die gekrümmte Staumauer aus Bruchsteinen unter Denkmalschutz.
Die Talsperre Klingenberg versorgt im Verbund mit den Talsperren Lehnmühle, Rauschenbach und Lichtenberg den gesamten Weißeritzkreis, die Stadt Freital und 60 Prozent der Stadt Dresden mit Trinkwasser.
Fast 100 Jahre lang war die Stauanlage ununterbrochen in Betrieb. Die Sanierung der Talsperre Klingenberg erfolgte von 2005 bis 2013 (wahrscheinlicher Abschluss) in einem der größten Bauvorhaben der Landestalsperrenverwaltung mit einem Sanierungsumfang von ca. 80 Millionen Euro insgesamt. Die Sanierung der Hauptsperre begann 2010.
Zwei Gesichtpunkte waren aus dem Einführungsvortrag von Dr. Sieber besonders prägnant:
1. Aus zwei Anforderungen das Optimale für den Freistaat und seine Bürger machen.
   - Zum einen nimmt die benötigteTrinkwassermenge ständig ab. Einerseits durch den Bevölkerungsrückgang,
     andererseits durch den sparsamen Umgang mit dem Schutzgut Wasser, muss für die benötigte Rohwassermenge
     so weniger Stauraum bereitgestellt werden.
   - Für den Hochwasserschutz wird dagegen ein größerer Rückhalteraum benötigt, insbesondere muss für den            Extremfall eine Sicherheitslamelle bereit gehalten werden.
Beide Anforderungen werden dadurch verbunden, dass das Stauziel einzelner Talsperren abgesenkt wird, um so eine größere Rückhaltelamelle für den Hochwasserfall zur Verfügung zu haben. Damit werden letztlich systemimmanente Synergien sinnvoll erschlossen. Allerdings lässt sich dies aus Gründen der Anforderungen an die Wasserqualität in den Wasserkörpern der Talsperren und auch der Kosten- und somit Lastenverteilung nicht beliebig ausweiten. Einerseits, um die Trinkwassergebühren  und damit die Belastung für den einzelnen Bürger im akzeptablen Rahmen zu halten, andererseits wird der Hochwasserschutz aus dem Landeshaushalt beglichen, der sich wiederum aus Steuergeldern speist. Es kommt also auf die Ausgewogenheit der einzelnen Maßnahmen an.
2. Es kommt nicht nur darauf an, dass das Wasser des Einzugsgebietes einer Talsperre in den Stauraum fließt und dort zurückgehalten wird, sondern es kommt, insbesondere im Hochwasserfall, auch darauf an, dass die Wässer in den Gewässerbetten der Fließgewässer möglichst ungehindert abfließen können.
Der Ausbau und die Reinhaltung der Fließgewässer I. und II. Ordnung ist deshalb eine vorrangige Aufgabe. Dr. Sieber wird nicht müde, dies immer wieder in Erinnerung zu rufen, weil es wichtiger Teil eines schlüssigen Hochwasserkonzep-tes ist. Eine simple Aussage, die für jedes hydrologische Konzept (Modell) gilt, allerdings nicht von allen verinnerlicht.
Danach stellte uns Herr Eckehard Bielitz, Leiter des Betriebes Oberes Elbtal, die Talsperre Klingenberg vor. Insbesondere der Einblick in den bergmännisch aufgefahrenen Kontrollgang und die Instrumentierung der Bauwerke derTalsperre, insbesondere des Absperrbauwerkes, waren sehr interessant.
TS Klingenberg
TS Rauschenbach
TS Flaje
Künstlich aufgestaute Gewässer werden in 5 verschiedene Kategorien eingeteilt.
- Talsperren (TS)
- Hochwasserrückhaltebecken (HRB)
- Staustufen
- Pumpspeicherbecken (PSW)
- Sedimentationsbecken

In Deutschland werden die Vorschriften für Talsperren und Wasserspeicher in der DIN 19700 zusammengefasst. Das internationale Regelwerk gibt die ICOLD (International Commission on Large Dams) dazu vor.

Der Staatsbetrieb Landestalsperrenverwaltung (LTV) betreibt und bewirtschaftet nahezu alle Stauanlagen im Besitz des Freistaates Sachsen. Genauso wichtig ist ihre Zuständigkeit für den Ausbau, die Unterhaltung und den Hochwasserschutz an allen Fließgewässern in der Verantwortung des Landes.
Karte der Talsperren, Speicher, Hochwasserrückhaltebecken und Pumpspeicherwerke in Sachsen;
Quelle: http://www.talsperren.net/Sachsen/sachsen.html
So war es nicht verwunderlich, dass wir uns das Sächsische und Böhmische Erzgebirge als Ziel aussuchten. Mit dem Reiseunternehmen Zimmermann aus Frauenstein nahmen wir die Exkursion in Angriff. Das erste Exkursionsziel war die Talsperre Klingenberg. Dort nahm uns Herr Dr. Sieber in Empfang. Im Sitzungsraum der Staumeisterei gab es zunächst eine fachliche Einführung zur LTV im Allgemeinen und zur Talsperre Klingenberg im Besonderen.
TS Rauschenbach
TS Klingenberg
TS Flaje
2. Exkursion der Vereinigung ehemaliger Abgeordneter des Sächsischen Landtages  - VeMdL e.V. 23.06.2012
„Speicherung von Oberflächenwässer und Hochwasserschutz im Sächsischen und Böhmischen Erzgebirge“

Die 2. Exkursion der VeMdL e.V. ist Geschichte. Am 23.06.2012 trafen sich 26 gut gelaunte Exkursionsteilnehmer in Holzhau, um von dort die Exkursionsroute in Angriff zu nehmen. Durch die perfekte Vorbereitung und durch die große Unterstützung der Landestalsperrenverwaltung Sachsen, insbesondere ihres Geschäftsführers, Dr. Hans-Ulrich Sieber, konnte das umfangreiche Programm absolviert werden. Die ehemaligen Landtagsabgeordneten konnten sich so einen guten Überblick über den Leistungsstand in diesem wichtigen Aufgabenbereich des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft machen. Das Wassermanagement ist in Sachsen in guten Händen und dies sowohl was die Speicherung von anfallenden Oberflächenwässern und deren Bereitstellung für die Trink- und Brauchwasserversorgung und partiell auch für die Energiegewinnung, als auch was die Bereitstellung von notwendigen Stauraum im Falle von Hochwasser, z.B. aus der Schneeschmelze und/oder aus Starkniederschlägen, betrifft. Man hat aus dem gewaltigen Hochwasser 2002 gelernt, nicht nur bei der LTV, sondern auch im SMUL, wie auch im Sächsischen Landtag, der eine erhebliche, gezielte Mittelaufstockung beschloss und in den darauffolgenden Jahren verstetigte. Diese sind sämtlichst gut angelegt. Nun kommt es darauf an, auch für die Zukunft aufgabengerecht die Haushaltsmittel zur Verfügung zu stellen.  
GF der LTV, Dr. Hans-Ulrich Sieber, Bildquelle: LTV
Noch eines war offensichtlich, neben dem ausgewiesenen Fachmann der LTV, Dr. Hans-Ulrich Sieber, waren es junge, engagierte und gut ausgebildete Mitarbeiter, die uns an den einzelnen Exkursionsstandorten ihren jeweiligen Aufgabenbereich erläuterten und diesen in den Gesamtzusammenhang stellten. Dies ist auch notwendig, soll die Arbeit kontinuierlich, zukunftsorientiert organisiert werden, denn Sachsen gehört neben Thüringen und Nordrhein-Westfalen zu den Bundesländern mit den meisten Talsperren. Versorgten die ersten Wasserspeicher im Land früher vor allem den Bergbau, haben Stauanlagen heute zumeist mehrere Funktionen. Die meisten sächsischen Talsperren befinden sich im Vogtland und im Erzgebirge, so südlich und westlich von Chemnitz, aber auch südlich von Dresden. Insbesondere südöstlich von Dresden liegen einige im Ergebnis historischer Hochwasser entstandene Hochwasserrückhaltebecken und südlich von Leipzig sowie in der Lausitz befinden sich als Wasserspeicher genutzte Tagebaurestseen.
Die Talsperren bilden in Sachsen eines der wichtigsten Systeme zur Trinkwasserbereitstellung. So kommen ca. 40% des Trinkwassers aus Talsperren. Von der Größe her sind die meisten Talsperren von mittlerer Größe, in anderen Bundesländern gibt es auch einige wesentlich größere Talsperren.
Exkursionen in den Jahren 2011 bis 2013
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